Jung, Vielseitig, gesund - Horse Agility

Horse Agility, was ist das?

Vielleicht kennen einige von Ihnen diese Sportart für Hunde - Dog oder Hunde Agility. Man läuft mit seinem vierpfotigen Freund frei einen Parcours aus verschieden Hindernissen und für gute Leistungen bekommt der Hund eine Belohnung. Horse Agility funktioniert eigentlich nicht viel anders. Das Pferd läuft frei neben seinem Menschen her und bewältigt verschiedene Aufgaben oder Hindernisse, zum Beispiel einen Flattervorhang, eine Wippe oder einen Sprung. Mit fortschreitender Erfahrung kann der Parcours im Trab oder sogar (wer schnell genug ist, um mit seinem Pferd mit zu halten) im Galopp bewältigt werden.

Warum Horse Agility?

Mit seinen vielen unterschiedlichen Hindernissen und Aufgaben ist Agility eine sehr vielseitige Sportart. Man kann sowohl "nervenfestigende" Sachen wie Flatterbänder, Tunnel und verschiedene Untergründe als auch muskel- und konditionsaufbauende Geräte in den Parcours einbauen. So sind Wippen super für den Muskelaufbau am ganzen Körper, insbesondere der Bauchmuskulatur, geeignet. Instabile Untergründe wie Wackelbretter und Turnmatten trainieren die Tiefenmuskulatur und sind für das Gleichgewicht und die Koordination des Pferdes gut. Also alles Dinge, die ein Reit-, Fahr- oder Voltigierpferd benötigt und von denen auch junge, alte oder kranke Pferde profitieren, vom sportlichen Aspekt für den Mensch ganz zu schweigen. Noch dazu wird es mit den unzähligen Hindernismöglichkeiten fast nie langweilig.

Horse Agility ist also eine prima Möglichkeit, mit seinem Pferd zusammen Sport zu machen, das normale Training etwas abwechslungsreicher zu gestalten oder ein Pferd, das nicht geritten werden kann, sinvoll zu trainieren.


Clickern als sinvolle Beschäftigung für das Pferd

Unter Clickern versteht man die Arbeit mit einem sogenannten Knackfrosch oder Clicker. Er gibt einen Clicklaut von sich, wenn man ihn drückt. Dieser Click bedeutet für das Pferd, dass es nun seine Futterbelohnung bekommt. 

"Aber warum ein Clicker? Es geht doch bestimmt auch ohne, oder?"

Das stimmt. Mit dem Clicker kann man jedoch wesentlich feiner arbeiten. Man kann genau in dem Moment clicken, in dem das Pferd die Übung richtig ausgeführt hat, und es danach dafür belohnen. Das macht es für das Pferd einfacher zu verstehen, was es richtig gemacht hat. Pferde erinnern sich nämlich nur an Dinge, die unmittelbar vorher passiert sind. Wenn das Pferd also am Anfang der Trainingseinheit etwas richtig gemacht hat, es aber erst am Ende die Belohnung dafür bekommt, dann weiß es das nicht. Es kann also nicht einordnen, dass die Belohnung für etwas war, das es vor einer längeren Zeit getan hat.

Außerdem kündigt der Click, und wirklich nur der Click, die Belohnung für das Pferd an. Wenn kein Clicklaut ertönt ist, braucht das Pferd auch gar nicht zu betteln oder zu versuchen, sich ein Leckerli zu schnappen. Das Pferd weiß also immer genau, wann es eine Belohnung bekommt. 

   Mit dem Knackfrosch kann man gut arbeiten, wenn das Pferd etwas neues lernt oder vor etwas Angst hat, es zum Beispiel nicht die Hufe geben will, Angst vor dem Hänger hat oder ähnliches. Das Pferd wird dann für jede noch so kleine Annäherung an das Zielbild geclickt und bekommt eine Belohnung. So verknüpft es die vermeintlich gefährliche Situation mit etwas Angenehmem.

Auch beim Horse Agility kann man mit dem Clicker arbeiten.

Unhöfliche, bettelnde und schnappende Pferde?

Spätestens an dieser Stelle kommt von vielen (berechtigt) die Frage, ob diese Art der Arbeit nicht ein bettelndes Pferd mit sich bringt. Die Antwort: Ja, allerdings nur dann, wenn man seinem Pferd nicht "Höflichkeit" beibringt. Das bedeutet, das Pferd immer dann zu clicken, wenn es NICHT bettelt. Wenn es bettelt, muss es eine Runde gehen und bekommt kein Futter. Dies wird das Pferd relativ schnell verstehen und aufhören, mit der Nase an der Futtertasche zu kleben, da sich das Nicht-Betteln ja lohnt. Dies ist die Grundübung mit dem Clicker, man findet sie in vielen Büchern über die Knackfrosch-Arbeit. Auf ihr baut alles andere auf. Gleichzeitig wird das Pferd auf den Clicker konditioniert. Es lernt also, dass ein Click das Futter ankündigt. Unser Chester ist mit dem Höflich-Sein sogar schon so weit, dass man ihm das Futter auf der flachen Hand präsentieren kann und er es nicht anrührt, ehe der Click ertönt und man es ihm wirklich anbietet.

Diese Art der Erziehung ist beim Agility sogar sehr wichtig, weil sich der Vierbeiner beim betteln nicht mehr konzentriert und womöglich sogar vom Gerät "abstürzt".

Genaueres zum Erarbeiten der Höflichkeit von Pferden finden Sie im Buch "Clickerfitte Pferde" von Nina Steigerwald, Viviane Theby und Katja Frey.

 

Ausrüstung und benötigte Materialien

Es sieht vielleicht auf den ersten Blick sehr aufwändig, was die Materialien angeht, aus, aber für diesen Sport braucht man zu Anfang nicht besonders viel; Aus einigen Stangen, Autoreifen, Hindernisständern, ein bisschen Flatterband und Litzensteckern lässt sich schon viel zusammenbasteln. Auch Schwimmnudeln sind im Parcours sehr vielseitig. Man wundert sich, wieviel der benötigten Materialien sich aus den Dingen zusammenbauen lassen, die fast jeder am Stall hat.

Ansonsten sind eine Bauchtasche für das Futter und ein Clicker aus dem Hundesportbereich von Vorteil. Falls man nicht sofort einen zur Hand hat, eignet sich auch das Schnalzen mit der Zunge gut als Ersatz für den Clicker.

Ob man eine Gerte gebrauchen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden und von seinem Pferd abhängig machen.

Wenn nun Ihr Interesse an dem Konzept der positiven Verstärkung im Training geweckt ist und Sie mehr darüber erfahren wollen, dann können Sie sich in dem Buch "Clickerfitte Pferde" von Nina Steigerwald, Viviane Theby und Katja Frey genauer darüber informieren. Dort sind die Grundübungen mit dem Clicker, aber vor allem Übungen zum Gymnastizieren und Denksportaufgaben für das Pferd genau beschrieben. Das Buch und die DVD "Agility mit Pferden" von Nina Steigerwald  beschreiben speziell das Horse Agility genauer, man bekommt Tipps für die ersten Übungen auf dem Pferdeturnplatz und Anregungen für Hindernisse zum Nachbauen. Nina bietet auf ihrem Hof in Niedersachsen Kurse und Seminare zum Thema Horse Agility und dem Clickertraining an und ist mit ihren Pferden deutschlandweit unter anderem auf Messen unterwegs. Auf Hof Steigerwald sind auch einige Fotos auf dieser Seite entstanden.

 

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