Was ist Voltigieren?

Zuerst erkläre ich euch aber mal, was Voltigieren überhaupt ist, falls ihr noch nicht so eine Vorstellung davon habt. Also:

Voltigieren gehört zu den Pferdesportarten, man kann sie allein, zu Zweit oder in der Gruppe ausüben. Unsere Voltigierer aus Ibbenbüren und Hörstel turnen in der Gruppe. Dabei stapeln sie sich in unterschiedlichen Positionen aufeinander und bringen diese Gebilde dann in eine Reihenfolge. Das nennt man die „Kür“. Rechts auf den Bildern könnt ihr ein paar Beispiele sehen.

Im Einzel ist man eine Minute lang allein auf dem Pferd, im Doppel (auch „Pas de deux“ genannt) zu zweit.

Hm, okay, ganz so einfach, wie ich es gerade beschrieben habe, ist es dann aber doch nicht.

Es gibt nur wenige Sportarten, die dem Athleten gleich so viele Fähigkeiten abverlangen, wie das Voltigieren.

Ausdruck, wie zum Beispiel tänzerische Armbewegungen und Mimik, Kraft und Ausdauer sowie Gleichgewicht und Rhythmus, um nur ein paar zu nennen.

Eine Voltigierprüfung besteht aus zwei Teilen:

Die Pflicht ist, wie der Name schon sagt, eine Abfolge von festgelegten Übungen, die jeder Voltigierer auf dem Turnier gleich turnen muss.

Kreativität ist gefragt, wenn es an die Kür geht, bei der man sich Choreografie und Musik selbst zusammenstellt.

Voltigiert wird meistens in den Gangarten Schritt und Galopp, je nach dem, in welcher Leistungsklasse man unterwegs ist.

 

So, ich glaube, ich hab es so ganz gut beschrieben. Ich bekomme oft erzählt, wieviel Spaß das macht, nur leider durfte ich es selbst noch nicht ausprobieren, Chester lässt mich nicht.


Unterschiede zum Reiten

 

Nur weil Voltigieren etwas mit Pferden zu tun hat, ist es nicht automatisch Reiten. Schauen wir uns das doch mal genauer an:

Zuerst wäre da die Ausrüstung für Mensch und Tier. Unsere Voltis  tragen enge Sporthosen und Gymnastikschläppchen, wie in einer normalen Sportstunde. Reiter hingegen haben eine spezielle Hose mit einem sogenannten „Lederbesatz“ an, damit die Nähte der Hose beim Reiten nicht scheuern. Auch Reitstiefel, sowie ein Helm und manchmal eine Sicherheitsweste gehören zur Ausrüstung.

Jetzt zum Pferd: Beim Reiten trägt das Pferd einen Sattel auf dem Rücken sowie eine Trense (das Ding, das wir am Kopf haben) mit Zügeln, Voltigierpferde hingegen haben eine Art Schutzdecke, ein „Pat“, und den Voltigiergurt mit Griffen auf dem Rücken.

Aber nicht nur das ist unterschiedlich. Beim Reiten haben die Reiter, also die, die oben drauf sitzen, das Kommando. Wenn man allerdings auf uns Vierbeinern herum turnt, geht das schlecht. Man müsste sich dann ja auf sich selbst und auf das Pferd konzentrieren. Außerdem haben Voltis auch gar keine Hand für die Zügel frei und mit Gewichtsverlagerung lenken ginge auch nicht, da sie sich ja die meiste Zeit in irgendwelchen merkwürdigen Positionen auf dem Pferderücken befinden. Zum Pferd lenken muss also jemand anders her, zum Beispiel Anne. Sie steht in der Mitte des „Longierzirkels“ , hat eine Peitsche und eine lange Leine (eine sogenannte Longe) in der Hand, über die sie mit dem im Kreis um sie herum laufenden Pferd verbunden ist. Also quasi die Zügel in lang. So können sich die Voltigierer ganz auf sich und ihre Kür konzentrieren.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum Voltigieren kein Reiten ist, den ich kurz erklären möchte:

Voltigieren ist ein Teamsport. Man hat immer zumindest das Pferd und den Longenführer dabei. Reiten kann man zwar auch in der Abteilung, aber bei der Akrobatik auf dem Pferd muss man teamfähig sein und einander vertrauen. Immerhin turnen die Obermänner manchmal im Galopp in drei Metern Höhe herum, da müssen sie wissen, dass ihre Teampartner sie nicht los lassen.

Auf Voltigierturnieren werden in erster Linie die Turner bewertet. Es gibt zwar auch eine Note für den Longenfüher und das Pferd, aber vor allem geht es darum, ob die Kür gut gestaltet ist, alle im Takt zur Musik voltigieren und ob jemand einen Technikfehler gemacht hat. Deswegen trainiert unser Voltigierteam aus Gravenhorst auch viel auf dem Boden und am Bock, dem hölzernen Trainingspartner, ihre Kür. Es gibt sogar richtige Bockturniere, bei denen man sein Können ohne Pferd unter Beweis stellen kann. Wenn die Übungen am Holzpferd sitzen wird wieder mehr am lebenden Vierbeiner geübt.

 

So, das sind die meiner Meinung nach wichtigsten Gründe, warum man zu Voltigierern auf keinen Fall sagen sollte „Ach, du gehst Reiten?“, und auch, weil diese dann ganz schön giftig werden können.

Chester mit Trense                              Die Ausrüstung eines Voltigierpferdes

Voltigieren: Mit Helm oder ohne?

 

Euch ist bestimmt schonmal aufgefallen, dass Voltis keine Helme tragen. Das hat folgenden Grund: Reiter tragen einen Helm, damit sie sich nicht weh tun, falls sie mal vom Pferd fallen, das ist klar. Natürlich fallen auch Pferdeakrobaten mal runter, das können nicht nur die Mitglieder vom Voltigierteam Gravenhorst bestätigen. Beim Reiten gilt aber die Regel: Auch wenn du fällst, versuche immer die Zügel deines Tieres in der Hand zu behalten.

Zügel müssen Voltis nicht festhalten und auch Steigbügel gibt es nicht, in denen man mit den Füßen hängen bleiben könnte. Die Turner können sich also jederzeit schnell vom Pferd lösen und zum Beispiel einfach abspringen, wenn mal was passiert. Der Notabbau einer Übung wird sowieso in jeder Gruppe gut geübt.

Der Helm kann beim Voltigieren sogar hinderlich sein: Er ist sehr hart und sperrig, Teampartner oder das Pferd können sich daran verletzen. Auch schränkt er die räumliche Wahrnehmung und das Sichtfeld ein. Bei Absprüngen, Rollen und beim Schulterstand ist die Gefahr zu groß, dass man am Gurt hängen bleibt und sich stranguliert, daher ist ein Helm beim Voltigieren verboten!